Schildknechts Revanche.
Das war die (erste) Reaktion auf die kraftlosen Beine und die Aufgabe nach dem Velo-Abschnitt am Ironman Hawaii zwei Wochen zuvor. In Ausin zeigte Ronnie Schildknecht über die halbe Distanz (1,9 km Schwimmen, 90 km Velo und 21,1 km Laufen) ein ausgezeichnetes Rennen. Hinter Michael Raelert (D), dem Weltmeister 2009 und 2010 über diese Distanz, belegte er Rang 2.
Noch besser unterwegs, nämlich als Leader war er bis Kilometer 11 des abschliessenden Halbmarathons. Er hatte sich die Position erkämpft. Auf dem Velo war er über die 90 km eine Klasse für sich. Mit seinen 2:05:53-Minuten bewältigte er die Strecke fast drei Minuten schneller als der zweitbeste Massimo Cigana (It), gar 4:05-Minuten schneller als Raelert. Weil er auf den 1,9 km Schwimmen aber 1:45-Minuten auf den Deutschen verloren hatte, wechselte der Zürcher mit einem Vorsprung von 2:20-Minuten auf die Laufstrecke. «Ich verpasste beim Schwimmen die Spitzengruppe, konnte aber den Rückstand bereits nach den ersten 15 Velokilometern wettmachen», umschrieb er die erste entscheidende Phase des Rennens.
1:15 reichten nicht.
Stark lief er auch den Halbmarathon – in 1:15:03 Stunden. Doch das reichte nicht zum Sieg. Raelert präsentierte sich nach einer langwierigen Verletzung wieder in Bestform. Nach halber Lauf-Distanz holte ihn der Favorit auf. Die Gegenwehr erwies sich rasch als unmöglich. Bis ins Ziel verlor Schildknecht noch zwei Minuten. Dennoch zeigte er sich erleichtert und tief zufrieden: «Ich konnte zeigen, dass die Form stimmt.» Mit der Tatsache, dass Raelert ihm vor der Sonne stand, liess sich leben: «Bei jedem andern hätte ich mich hinterfragt», sagte Schildknecht, «aber verlieren gegen den Weltmeister ist nicht tragisch.»
Mit dem Erfolgserlebnis von Austin reist Ronnie Schildknecht direkt an den Ironman Florida vom ersten November-Wochenende weiter – mit einer klaren Vorstellung: «Dort würde ich gerne gewinnen.»
Austin (Texas), Ironman 70.3. Männer:
1 Michael Raelert (D) 3:47:48
2 Ronnie Schildknecht «ewz power team» 3:49:48
3 Paul Amey (Fr) 3:52:36
4 Massimo Cigana (It) 3:56:26
5 Richie Cunningham (Aus) 3:56:59