Monats-Interview mit Jan van Berkel.
Jan van Berkel ist eine der Nachwuchshoffnungen im ewz power team. Im August hat er seinen ersten Sieg in einem Pro-Rennen errungen. Fernziel sind die Olympischen Spiele 2012 in London, an denen der 23-Jährige zusammen mit seiner Schwester Martina starten will.
Jan, wie würdest Du den Verlauf Deiner Saison bezeichnen?
Ich hatte mir vorgenommen konstanter zu werden. Beim Saisoneinstieg am Europacup in Pontevedra landete ich auf dem 40. Rang. So viel also zu stabilen Leistungen. Der weitere Verlauf der Saison war dann ein stetiges Auf und Ab. Zu den Highlights gehört definitiv mein erster Sieg als Profi am Uster Triathlon.
Was spornt Dich an und wie gehst Du mit Niederlagen um?
Ich will jeden Wettkampf gewinnen. Ein zweiter oder dritter Platz ist für mich keine Option. Kein Sportler steckt eine Niederlage so mir nichts dir nichts weg. Sie sind aber Teil des Sports und man muss versuchen sich dadurch zu motivieren und es beim nächsten Rennen besser machen zu wollen. Bei mir klappt das irgendwie. Die besten Rennen habe ich immer dann, wenn ich vorher eins auf den Deckel bekommen habe.
Den Uster Triathlon hast Du überlegen gewonnen. Ist es Dein bisher wertvollstes Ergebnis?
Ob es das bisher wertvollste Resultat meiner Sportlerkarriere ist, sei dahingestellt. Eine Top20-Klassierung an einem Weltcup-Rennen wird vielleicht höher gewertet. Die Emotionen, die mein erster Sieg als Profi in mir ausgelöst haben, waren bisher jedoch einzigartig, auch weil ich in meiner Trainingsregion auftrumpfen konnte. Besonders gefreut habe ich mich über die Art und Weise, wie ich gewonnen habe. Ich lag von Anfang bis Schluss in Führung. Genau so, wie ich es mir am Vorabend vorgenommen hatte.
Lukas Salvisberg scheint Dir immer um eine Nasenlänge voraus zu sein? Spornt Dich diese Konkurrenz an?
An der Startlinie sind wir Konkurrenten, während dem Rennen Teamkollegen und in der Freizeit Freunde. Wir funktionieren sehr gut zusammen und können in gewissen Rennsituationen Synergien nutzen und taktieren. Hinzukommt, dass ich seit diesem Jahr für die Niederlande starte und wir keine Konkurrenten mehr sind für die Startplätze an den Olympischen Spiele 2012 in London.
Wie wichtig sind Freundschaften unter Profisportlern?
Beim Wettkampf sind wir in erster Linie Konkurrenten, denn jeder möchte als Erster über die Ziellinie laufen. Weil Triathlon ein Einzelsport ist und wir oft alleine trainieren, sind Freundschaften wichtig. Nach der WM in Australien beispielsweise bin ich mit Lukas entlang der Küste gereist. Wir haben am Strand Pommes und Hamburger gegessen und viel Spass gehabt. Solche Erlebnisse sind wichtig und schön.
Haben die Differenzen mit dem Schweizer Verband und der Austritt aus der Schweizer Nationalmannschaft Deine Saisonvorbereitung gestört?
Ja, ganz klar. Als Sportler will man das natürlich nicht zugeben. Man redet sich gerne stark. Mit etwas Distanz betrachtet, glaube ich jedoch durch diese Geschichte emotional stärker geworden zu sein und mich als Mensch weiterentwickelt zu haben. Nicht zuletzt, weil ich während dieser turbulenten Zeit auf den Rückhalt meines Umfeldes zählen konnte. ewz hat mir den Rücken gestärkt, was sich sehr direkt auf meine sportlichen Leistungen auswirkte.
Wie fühlst Du Dich als Mitglied der holländischen Nationalmannschaft?
Zu Beginn fühlte es sich etwas seltsam an, ein oranges statt ein rotes Leibchen zu tragen. Aber ansonsten hat sich nicht viel verändert. An mein neues Umfeld habe ich mich rasch gewöhnt und mit meinen neuen Kollegen und meinem neuen Nationalcoach komme ich gut zur Recht. Das alles hat ein wenig Energie gekostet, aber die Konkurrenz im niederländischen Team ist schwächer als in der Schweiz. Ich bin zurzeit der am besten rangierte Holländer und der aktuelle U23-Meister. London 2012 ist in Griffnähe. Wenn ich weiterhin gute Resultate liefere, kann ich mir einen Startplatz sichern.
Du hattest im März einen Ermüdungsbruch. Worauf ist die Verletzung zurück zu führen?
Ich hatte Ende letzte Saison eine Verletzung am linken Schienbein. Im Dezember dann rechts. Abklärungen haben ergeben, dass es keine Ermüdungsbrüche waren, sondern die Schwächung der Knochenstruktur aufgrund von Kalzium-Mangel verursacht wurde. Da ich wenige Milchprodukte esse, ergänze ich meine Ernährung nun gezielt durch Supplemente von Burgerstein. Die Situation hat sich markant verbessert und es geht mir gut.
Du kommst aus einer sehr sportlichen Familie. Deine Schwester Martina ist eine der vielversprechendsten Schwimmerinnen unseres Landes. Gibt es da Familien-interne Konkurrenz?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wir haben das Ziel gemeinsam an den Olympischen Spielen 2012 in London teilzunehmen und das motiviert uns sehr. Wir wären wohl das erste Geschwisterpaar, das mit zwei verschiedenen Nationalitäten in zwei verschiedenen Sportarten starten würde.
Kannst Du dir vorstellen später einmal über längere Distanzen zu starten?
Ja durchaus. Von meinem Talent und Körperbau her bin ich eigentlich ein Langdistanz-Triathlet. Ich verfüge über ein paar Kilogramm mehr an Muskelmasse als der Model-Kurzdistanz-Triathlet. Das macht mich ein bisschen weniger agil auf der Laufstrecke, wo die Besten auf den 10 Kilometern bald unter 30 Minuten laufen werden. Im Augenblick setze ich immer noch auf die Kurzdistanz. Die Langdistanz und der Traum einmal in Hawaii zu starten ist Zukunftsmusik.
Du studierst Jura. Wie sieht Deine Zukunft aus?
Im nächsten Januar steht die Liz-Prüfung an und im September 2010 die mündlichen Prüfungen. Danach bin ich Jurist und werde ich mich auf die Vorbereitung für London 2012 konzentrieren. Langfristig möchte ich mich auf das Thema Sportrecht spezialisieren. Dieses Gebiet würde meine beiden Welten Sport und Recht ideal vereinen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.