Bereit für den Exploit.
«Bei der Registrierung fühlte ich die Nervosität aufsteigen», beschreibt Ronnie Schildknecht den Augenblick, als er seine Startnummer im King Kamehameha’s Kona Beach Hotel in Empfang nahm: die 4, entsprechend seiner letztjährigen Klassierung. «Da wurde mir nochmals intensiv bewusst, was ich geleistet hatte, wurde mir aber auch bewusst, woran ich gemessen werde», sagte der 30-jährige Vorzeigeathlet vom «ewz power team».
Verbessern möchte er jenes Resultat. Einen Podestrang strebt er an. Zur Erläuterung: Seit Carl Kupferschmid im Jahr 1985 (3.) hat diese Vorgabe kein Schweizer mehr erreicht. Nahe dran waren Christoph Mauch (2 Mal 4. 1998 und 1999) sowie Olivier Bernhard (5., 1999). Doch Schildknecht fühlt sich bereit weiter vorzustossen – trotz Pfeifferschem Drüsenfieber im Frühling, trotz erstklassiger Konkurrenz und rund einem Dutzend Siegesanwärter. «Ich komme von hinten», sagt er und sieht sich nicht unter unangenehmem Druck: «Ich habe mir Respekt verschafft, und diese Erwartungshaltung von der Öffentlichkeit spornt mich an.» Schildknecht will «angreifen».
Fortschritte.
Stärker als im Vorjahr schätzt er seine Möglichkeiten im Schwimmen ein: «Letztes Jahr verlor ich dreieinhalb Minuten zuviel und somit das Rennen», sagt er. Die Auftakt-Disziplin hat er seither intensiver trainiert und «plötzlich ging der Knopf auf». Dank dieser Fortschritte hoffte er nun, nach den 3,9 km im Meer mit der Hauptgruppe der Favoriten aus dem Meer zu steigen. So könnte er den Velo-Abschnitt beruhigt in Angriff nehmen. Auf den 180 km zählt er zu den herausragenden Athleten im Feld.
Das «grösste Selbstbewusstsein» will er allerdings beim abschliessenden Marathon in die Waagschale werfen. Im Idealfall, sprich bei entsprechender Tagesform und klimatisch erträglicher Bedingungen, traut er sich eine Zeit von 2:48-Stunden zu – für Hawaii eine Topzeit. Schildknecht geht vom «idealen Rennen» aus, vom «besten Rennen meines Lebens» auch. Und träfe seine Vision zu, wäre dies «überwältigend».
Erinnerungen an 2006 bei Stefan Riesen.
Vom «perfekten Rennen» spricht auch Stefan Riesen. Seine bisher beste Hawaii-Klassierung ist ein 16. Rang. Eine Top-ten-Platzierung traut er sich zu. «Seit dem Ironman Switzerland in Zürich steigt meine Formkurve stetig an», sagt der 35-jährige Berner. Die Form allein schätzt er aber nicht als Erfolgsfaktor ein. «Ebenso ist es die Tagesform», sagt er. Und auch er hat ein Körpergefühl gespeichert, das er wieder abrufen möchte: jenes des Ironman Switzerland von 2006. Als Sieger erreichte er damals das Ziel und beschreibt rückblickend: «ein Tag mit Endlos-Energie, ein Tag, an dem es kein Ermüden gab.»
Neben den beiden «ewz-Athleten» Schildknecht und Riesen streben weitere Schweizer Spitzenergebnisse an, allen voran Mathias Hecht (29), der ehemalige Teamkollege, der jetzt für das Deutsche Commerzbank-Triathlon-Team unterwegs ist und letztes Jahr Platz 8 belegte. Bei den Frauen hat sich Natascha Badmann zwei Jahre nach ihrem fürchterlichen Velosturz soweit zurückgekämpft, dass auch ihr eine Toprangierung zuzutrauen ist.