Monats-Interview mit Nicole Hofer.

Du hast den Züri Triathlon 2009 gewonnen. Was bedeutet Dir dieser Sieg?
Gute Resultate am Heimtriathlon sind für uns alle ein Saisonziel. Ich wusste, dass das Feld nicht ganz so stark sein würde, wie in anderen Jahren und ich mit guten Zeiten beim Schwimmen und auf dem Velo vorne mithalten könnte. Ich hatte gute Velobeine, musste wegen meiner Hüftbeschwerden im Laufen dann allerdings zurückhalten.

Wie hast Du den Zieleinlauf erlebt?

Obwohl es beim Züri Triathlon nicht so viele Leute hat wie beim Ironman, war es toll vor Publikum einzulaufen. Der Sieg in Zürich war für mich auf jeden Fall eine Bestätigung meiner Leistung an der letztjährigen Schweizermeisterschaft, wo ich hinter zwei Olympiateilnehmerinnen Dritte wurde.

Du hast letztes Jahr von der Olympischen- auf die Mitteldistanz gewechselt, weshalb?
Ich war früher Skifahrerin und bin erst sehr spät zum Schwimmen gekommen. Diese Disziplin ist, wie bei vielen anderen Athletinnen auch, meine schwächste. Solange ich an einem Weltcup nicht mit den ersten aus dem Wasser komme, werde ich nie an der Spitze mitmischen können.

Ist das auf der Mitteldistanz anders?
Auf der Olympischen Distanz wird sehr viel taktiert. Auf der Mitteldistanz ist man auf sich alleine gestellt. Diese Herausforderung reizt mich enorm. Langfristig möchte ich sogar auf die Ironman-Distanz wechseln und irgendwann in Hawaii starten.

Du hattest in den letzten Jahren viele Verletzungen. Was genau?
Ich habe Hüftproblem und hatte verschiedene Ermüdungsbrüche. Auch heut kämpfe ich beim Laufen mit Schmerzen. Beim Schwimmen und Radfahren bin ich beschwerdefrei. Was mich anspornt weiterzumachen, ist der Gedanke daran, was ich ohne Schmerzen alles erreichen könnte.

Wie gehst Du mental mit den Beschwerden um?
An manchen Tagen gelingt es mir besser, an anderen schlechter. Ich versuche mich beim Schwimmen und Velofahren so vorzubereiten, dass ich auf einem Topniveau bin, wenn ich endlich schmerzfrei laufen kann.

Als Mitteldistanz-Läuferin bist Du nicht im Nationalkader. Stört Dich das?

Nein. Als Mitglied der Nationalmannschaft ist man sehr stark auf Weltcuprennen sowie Europa- und Weltmeisterschaften konzentriert. Ich habe andere Ziele. In der Mitteldistanz hat man mehr Flexibilität und ist freier in der Saisonplanung. Man erhält allerdings weniger Unterstützung vom Verband und muss alles selber organisieren.

Du bist mit dem Triathleten Mathias Hecht befreundet. Gibt es Vorteile in einer Sportlerbeziehung?
Ich erachte es als ein Privileg meinen Sportlerinnenalltag mit meinem Lebenspartner teilen zu dürfen. Wir profitieren viel voneinander und können uns gegenseitig unterstützen. Ich bringe aber auch das Verständnis auf, wenn Mathias als Vorbereitung auf den Ironman Hawaii jeweils zwei Monate in Amerika trainiert. Wäre ich nicht selbst Sportlerin, könnte ich das sicherlich weniger leicht akzeptieren.

Unterhaltet Ihr Euch über andere Themen, als über Triathlon?
Selbstverständlich. Triathlon ist zwar ein zentrales Thema in unserem Leben, aber gleich wie bei anderen Paaren, die denselben Beruf ausüben, bietet der Alltag auch bei uns viel Diskussionsstoff. Wir geniessen es, die Wintermonate gemeinsam in Australien zu verbringen und auf Reisen Erlebnisse teilen zu können.

Trainiert Ihr zusammen?
Wir schwimmen zusammen. Da kann mich Mathias höchstens um zwei Längen distanzieren. Auch lockere Ausfahrten mit dem Velo unternehmen wir ab und zu gemeinsam. Jeder hält aber seinen Trainingsplan ein. Ich möchte auf keinen Fall, dass Mathias Rücksicht auf mich nimmt.

Du bist die einzige Frau im ewz Pro-Team. Wie ist Dein Verhältnis zu Deinen Kollegen?
Das Niveau bei den ewz-Männern ist extrem hoch und es motiviert mich Kollegen zu haben, die so erfolgreich sind. Ich bin glücklich einem Team anzugehören, von dem ich so viel Unterstützung erfahre und versuche meinen Teil zum guten Gesamtresultat beizutragen.

Wünschst Du Dir eine zweite Frau im Team?
Auch wenn man einem Team angehört, ist man im Triathlon eine Einzelkämpferin. Eine zweite Frau ist für mich nicht ausschlaggeben, ob ich mich wohl fühle oder nicht. Ich denke manchmal bloss, dass der Aufwand ziemlich gross ist extra für mich eine Damenkollektion anzufertigen.

Wie sieht Deine Zukunft aus?
Zurzeit studiere ich Vollzeit an einer Fern-Uni Wirtschaftswissenschaft. Ich würde im Studium gerne zurückstecken und meine volle Energie in den Sport stecken. Dazu müsste aber endlich auch ein normales Lauftraining möglich sein. In dieser Beziehung habe ich vielleicht ein wenig die Mentalität der Australier übernommen. Dort setzt man voll auf den Sport und das gefällt mir.

Interview: Cornelia Schmid

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