«Für mich spricht die Erfahrung».

Ronnie Schildknecht gibt sich zuversichtlich im Hinblick auf den Ironman Switzerland vom Sonntag.

Ronnie Schildknecht, Sie sind der Schweizer Ironman-Triathlet der Gegenwart und mit dem Sieg beim Ironman 70.3 in Rapperswil Anfang Juni haben Sie Ihre Form bewiesen. Wie beurteilen Sie Ihre Form?

Ronnie Schildknecht: Es gibt einen Unsicherheitsfaktor: ein Infekt, den ich schon in Rapperswil in mir trug, der am Tag nach dem Rennen aber so richtig ausbrach.

Wie einschneidend war diese Erkrankung?

Zwei Wochen trainierte ich kaum. Ich gab dem Körper Zeit zur Erholung, zum Auskurieren. Viel trainiert hätte ich in dieser Zeit sowieso nicht. Nach einem Rennen wie in Rapperswil ist sowieso eine Regenerationswoche eingeplant. Dennoch verunsichert ein solcher Zwischenfall. Da können dir die Ärzte oder Trainer noch so sehr zusichern, dass die Form nicht einfach entschwindet. Da kannst du dir noch so einreden, dass die Trainingsarbeit sowieso vor Rapperswil gemacht worden sei.

Was setzten Sie diesem Gefühl entgegen?

Ich bestritt den Sempachersee Triathlon über die Olympische Distanz als Trainingsrennen. Ich trat voll aus dem Aufbau heraus an, trainierte also noch am Vortag intensiv. Dieses Rennen gelang mit dem Sieg vor Reto Hug wunschgemäss.

War diese Bestätigung vor allem ein Zeichen fürs Menale, für den Kopf?

Richtig. Das Selbstvertrauen baue ich im Training auf. Normalerweise verlasse ich mich so kurz vor einem Ironman Rennen auf die Trainingswerte und mein Gefühl. Doch nun nutzte ich dieses Trainingsrennen und es zeigte mir das Gewünschte. Ich hoffe nun, meine Rechnung gehe auch am Sonntag auf.

Welche Widersacher haben Sie besonders auf der Rechnung?

Mein Teamkollege vom «ewz power team», Stefan Riesen (Ironman Switzerland-Sieger 2006) und vor allem Mikael Aigroz. Mike hat zuletzt in Rapperswil bewiesen, dass er in Form ist (2. Rang). Grundsätzlich gilt es bei einem Ironman aber, auf sich alleine zu hören. Dennoch werde ich auf Mike schielen. Er wird besser schwimmen und auf dem Velo ist er enorm stark. Für mich aber spricht die Erfahrung. Ich bestreite meinen zwölften Ironman, er seinen zweiten. Die Erfahrung ist bei einem solchen Rennen fundamental.

Mit welcher Taktik planen Sie Ihre Aufholjagd?

Mike und ich haben uns über den Ironman unterhalten. Er sagte, er würde sich auf dem Velo gerne an mir orientieren. Dass er wartet, glaube ich aber nicht. Und ich möchte ihn nicht sogleich einholen. Gelingt mir das nach einer Runde, nach halber Distanz also, bin ich zufrieden. Ich will das Rennen etwas passiver angehen, will mich auf der sicheren Seite bewegen. Letztes Jahr fuhr ich die erste Runde in 2:08-Stunden, die zweite in 2:17. Jetzt strebe ich zwei identische Rundenzeiten an.

Wie finden Sie bei einem Ironman den optimalen Rhythmus?

Auch da spielt die Erfahrung eine grosse Rolle. Denn, das Körpergefühl kann täuschen. Nach dem Schwimmen, fährst du zuerst unbewusst über dem Ziel-Tempo. Dasselbe gilt beim Laufen. Da steigst du vom Velo und du hast das Gefühl, du stehest still. Bei mir zeigt sich dies etwa darin, dass ich den ersten Kilometer in 3:45-Minuten laufe, anstatt den geplanten 4 Minuten. Solches «Überpacen» ist gefährlich.

Wie wirken Sie solchem entgegen?

Nach dem Schwimmen fahre ich auf dem Velo los und schalte sogleich einen Gang tiefer. So wirst du langsamer, fährst eine höhere Kadenz und belastest weniger. Beim Laufen gehe ich nach Daumenmass, nach dem Gefühl und der Erfahrung also.

Angenommen, Sie liegen souverän in Führung, kann’s da vorkommen, dass die Motivation plötzlich verschwindet?

Das ist mir noch nie geschehen. Ich wiege mich nie in Sicherheit. Bei einem Ironman kann rasch etwas dazwischen kommen. Ich habe nie das Gefühl, ich laufe nun das Rennen locker heim.

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