Ronnie Schildknecht zum dritten.
Der Ironman 70.3 in Rapperswil kennt nach drei Austragungen nur einen Sieger: Ronnie Schildknecht. In einem packenden Rennen setzte er sich durch – schliesslich doch noch souverän.
Das Bild hatte Aussagekraft: Ronnie Schildknecht legte sich hinter der Ziellinie auf den Rücken, schloss die Augen und pustete die Luft in seine Backen. Eine riesige Genugtuung widerspiegelte sich, aber auch Erschöpfung. Wenig später bestätigte das 29-jährige Aushängeschild des «ewz power team» diesen optischen Eindruck: «Ich bin sehr erschöpft und sehr glücklich.»
Ronnie Schildknecht wurde seiner Favoritenposition am 3. Ironman 70.3 in Rapperswil gerecht und siegte zum dritten Mal in Folge. 3:54:30-Stunden benötigte er für die 1,9 km Schwimmen, 90 km Velo und 21,1 km Laufen. Über eine Reserve von 1:40-Minuten auf seinen hartnäckigsten Verfolger Mike Aigroz verfügte er am Schluss.
Harter Kampf.
Der Romand aus Château-d’Oex erwies sich wie erwartet als schier ebenbürtiger Konkurrent. Zwar büsste er auf dem auf Schildknecht zugeschnittenen Velo-Parcours annähernd vier Minuten ein. Dank der besseren Schwimm-Leistung betrug der Rückstand vor dem abschliessenden Halbmarathon noch 3:20-Minuten. Und diese Differenz schmolz mit dem Blitzstart von Aigroz schnell. Je 10 Sekunden pro Kilometer machte er auf den ersten sieben Kilometern wett. Schildknecht wurde «leicht nervös», begann zu rechnen und erkannte: «Das kann eng werden.» An die rationale Eingabe, Aigroz werde diesen Rhythmus nicht durchhalten, erinnerte er sich. Sie erwies sich je länger je richtiger – trotz Erschöpfung, trotz leichter Dehydrierung.
Die Vorentscheidung herbeigeführt hatte Ronnie Schildknecht wie erwartet auf dem Radparcours. Schnell konnte er seinen Rückstand nach dem Schwimmen (17. Position) wettmachen. Es zeigte sich einmal mehr, dass das Streckenprofil auf ihn zugeschnitten scheint. Der frühe Aufstieg kommt ihm entgegen. Und alsdann die flache Abfahrt ab Goldingen. Hier attackierte er und verabschiedete sich von seinen Mitkonkurrenten. «Auf diesem Abschnitt kann ich arbeiten, mein Gewicht einsetzen, hohe Gänge drücken und grosse Wattleistungen erzeugen», beschrieb er.
Demoralisiert, wie in andern Jahren, hat er die Konkurrenz allerdings nicht. «Ich kam nicht ohne Krise über die Strecke», erklärte er. Und Schwierigkeiten begleiteten ihn auch auf der Laufstrecke: «Ich musste mich immer wieder mental aufbauen und nahm Stück für Stück.» Lediglich die 11. Zeit wurde für ihn beim Laufen gemessen.
Sicherheit gewonnen.
Für Ronnie Schildknecht war der Ironman 70.3 Rapperswil der erste Höhepunkt der noch jungen Saison. Als optimal betrachtet er den Ausgang. «Dieser Sieg vermittelt Selbstsicherheit, zeigt, dass ich gut gearbeitet habe», sagte er. Dieses Gefühl nimmt er mit in die Vorbereitung auf den Ironman Switzerland von Mitte Juli. Auch in Zürich strebt er den Hattrick an. Und schon jetzt schenkt er dem letzten Fixtermin dieses Jahres seine Beachtung: dem Ironman Hawaii. Den hervorragenden vierten Platz des Vorjahres will er toppen. Im Flashinterview wenige Minuten nach der Zielpassage erwies er sich bezüglich Hawaii-Kenntnissen auf der Höhe. Ob er wisse, welcher Schweizer schon besser klassiert gewesen sei als er und wann das gewesen sei, wurde er gefragt. Carl Kupferschmid kam ihm auch nach den Wettkampf-Strapazen in den Sinn und mit dem Jahr lag er zumindest nicht weit daneben: 1981 sagte er, richtig gewesen wäre 1985.
Ebenfalls für ein Top-Ergebnis war Stefan Riesen besorgt. Platz 6 erreichte er. Nachdem er als 25. aus dem Zürichsee gestiegen war, glückte ihm die fünftbeste Velo-Zeit und die viertbeste Lauf-Zeit. 5:20-Minuten länger benötigte er als Schildknecht. Auch das tönt viel versprechend im Hinblick auf den Ironman in Zürich.
Rapperswil-Jona. Ironman 70.3 Triathlon.
1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren, 21,1 km Laufen.
Männer:
1. Ronnie Schildknecht «ewz power team» 3:54:30
2. Mike Aigroz (Château d’Oex) 1:40 zurück.
3. Alessandro Degasperi (It) 3:17.
4. Jimmy Johnson (Dä) 4:09.
5. Massimo Cigana (It) 4:56.
6. Stefan Riesen «ewz power team» 5:20.
7. Paul Ambrose (Gb) 5:55.
8. Frederic Kohl (Ö) 6:58.
9. Ruedi Wild (Samstagern) 7:55.
10. Reto Hug (Dielsdorf) 8:24.
Ferner:
17. Christoph Mauch (Sempach) 14:41.
20. Marco Iseli (Bern) 16:06.
Frauen:
1. Sarah Schütz (Dübendorf) 4:28:26 (27:01/2., 2:34:09/3., 1:34:52)
2. Erika Csomor (Un) 0:36.
3. Karin Thürig (Retschwil) 6:36.
Bemerkung: Wasser 16,2 Grad, Schwimmen mit Neopren.