Monats-Interview mit Ronnie Schildknecht.

Hawaii als grosses Ziel.

2008 war das bisher erfolgreichste Jahr in der Profi-Karriere von Ronnie Schildknecht. Er gewann den 70.3 Switzerland, den Ironman Switzerland und wurde Duathlon-Europameister. Die Saison krönte er mit einem vierten Platz am Ironman Hawaii, wobei er das Podest nur gerade um 23 Sekunden verpasste. Der Saisonstart 2009 glückt Ronnie mit einem dritten Platz am Ironman 70.3 California in Oceanside und einem Sieg beim Duathlon Swiss Cup Rennen in Marbach perfekt.

Du hast im Winter einige Wochen auf den Kanarischen Inseln trainiert. War die Zeit ausreichend, um Dich auf die Saison vorzubereiten?
Ich war bereits im Januar auf Fuerteventura und dann im Februar auf Gran Canaria, um mich aufs Rad fahren zu konzentrieren. Ich habe rund 40% am Berg trainier und meine Radform ist steigend. In der Schweiz trainierte ich in den Wintermonaten mehrheitlich Schwimmen und Laufen. Mit Spinning und Biken habe ich meine Radform erhalten.

Der Half-Ironman ist Deine Lieblingsdistanz. Weshalb?

Die 70.3-Wettkämpfe sind schnell und kraftvoll. Über diese Distanz muss ich meine Energie weniger einteilen. Ganz im Gegensatz zum Ironman, bei dem das Rennen erst nach 100 Kilometern auf dem Rad wirklich beginnt. Auf der kürzeren Strecket kann ich einfach loslegen und bolzen. Das gefällt mir.

Trotzdem hast Du letztes Jahr beim Ironman Hawaii das Podest nur um weniger als eine halbe Minute verpasst. Wie hast Du das Rennen erlebt?
Das Rennen auf Hawaii ist etwas ganz Besonderes und nicht zu vergleichen mit anderen Ironmans. Ich schwamm ganz o.k. in der Gruppe mit Vanhoenacker und Beke. Auf dem Rad machten wir Boden gut und schlossen zu anderen Athleten auf. Zu diesem Zeitpunkt war ich ungefähr auf Position 15. Nach ca. 120 Km auf dem Rad machte sich langsam die Müdigkeit bemerkbar und ich musste einige Athleten ziehen lassen. Mental war es enorm hart dran zu bleiben und ich legte in dieser halben Stunde des Leidens den Grundstein für das super Resultat am Ende des Rennens. Plötzlich fühlte ich mich nämlich wieder besser und konnte sogar wieder zu meinen Konkurrenten aufschliessen. Als 13. kam ich in die Wechselzone, ideal für eine Aufholjagd. Mein Lauftempo war bei ungefähr 4 Minuten pro Kilometer und ich fühlte mich gut. Ich war die ganze Zeit dicht hinter Rutger Beke und wir holten einige Athleten ein. Zur Palani hoch war ich in den Top-Ten. Auf dem Highway sah ich bereits Lieto, Al Sultan, Sindballe und Stadler, was mich sehr motivierte. Nachdem ich beim Energy Lab Brown und Bracht überholt hatte befand ich mich an vierter Stelle. Ich war leicht geschockt bei den Topjungs vorne mitzumischen. Vor mir lagen jedoch noch 10 harte Kilometer, die ich nicht so schnell vergessen werde. Als es wirklich hart wurde dachte ich an meine Freunde, die zuhause mitfieberten, was mich nochmals antrieb. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl als Vierter ins Ziel einzulaufen und für das harte Training belohnt zu werden.

2008 hast Du den 70.3 Switzerland und den Ironman Switzerland gewonnen und bist Duathlon-Europameister geworden. Willst Du 2009 alle diese Titel verteidigen?
Nein, nur den 70.3.Switzerland und den Ironman Switzerland. Die beiden Rennen sind mir neben Hawaii am wichtigsten. Den Duathlon musste ich aus dem Plan streichen, denn ich muss sorgsam mit meiner Energie bzw. Frische umgehen. Die Saison ist lang und Hawaii steht ja erst im Oktober an.

Welches ist das bisher wertvollstes Ergebnis Deiner Karriere und weshalb?

Der vierte Platz am Ironman Hawaii 2008 bedeutet mir am meisten. Es ist das wichtigste Rennen überhaupt mit dem besten Athleten am Start. Dort einmal zu gewinnen war schon immer mein Traum und nun kann ich es als ein Ziel bezeichnen.

Wie sieht Dein Wettkampfkalender 2009 aus?
Wie bereits erwähnt, werde ich den 70.3 Switzerland in Rapperswill und den Ironman Switzerland in Zürich bestreiten. Im Oktober steht erneut Hawaii auf dem Programm. Zwischendurch werde ich auch einige Rennen über kürzere Distanzen absolvieren, um die Geschwindigkeit beizubehalten.

Hast Du noch andere sportliche Talente?
Ja, ich habe schon als kleiner Bub viel Sport getrieben. Mit 5 Jahren begann ich Tennis zu spielen und war auf nationaler Ebene rech gut. Bis ich mit 17 Jahren aufhörte, spielte ich sogar einmal gegen Roger Federer. Er war damals 14 und ich 16. Leider verlor ich 6:4, 6:4. Danach spielte ich Fussball, Eishockey und Inline-Hockey. Zum Triathlon kam ich erst vor neun Jahren, als ich in San Diego einen Sprachkurs absolvierte. Dort traf ich zwei Triathleten aus Brasilien. Ich war sofort von diesem Sport fasziniert, kaufte mir ein Bike und flog sogar nach Hawaii, um mir den ersten Ironman anzuschauen.

Interessierst Du Dich auch für andere Sportarten?
Ja, ich schaue natürlich Tennis, NHL Ice Hockey und die Fussball Champions League.

Wo siehst Du Dich in 5 Jahren?
Dann bin ich 34 Jahre alt und hoffentlich gesund und immer noch aktiver Triathlet.

Interview: Cornelia Schmid / Slowtwitch

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