Schildknecht: Geniestreich auf Hawaii!

Jahre nach Christoph Mauch sorgte auf Hawaii wieder ein Schweizer für Gesprächsstoff: Ronnie Schildknecht vom «ewz power team» belegte den sensationellen 4. Rang.
 
«Vierter auf Hawaii – das ist mein wertvollstes Karriere-Ergebnis», strahlte Ronnie Schildknecht nach den 8:21:46-Stunden Wettkampfdauer und den 3,8 km Schwimmen, 180 km Velo fahren und 42,2 km Laufen beim Klassiker auf Big Island. Recht hatte er. Dieses Ergebnis ist zweifellos höher einzuschätzen als all die bisherigen Erfolge des 29-Jährigen: etwa als die zwei Siege am Ironman Switzerland oder der Duathlon-Weltmeistertitel.
 
Der Ironman Hawaii ist für die Langdistanz-Spezialisten der Event. Auf Hawaii trifft sich die Weltelite zum Kräftemessen. Das war in diesem Jahr nicht anders. Wie wertvoll Schildknechts Ergebnis ist, zeigt sich beim Auseinandersetzen mit der Vergangenheit. Erst ein Schweizer hat es in den 30 Austragungen des Ironman Hawaii aufs Podest geschafft: Carl Kupferschmid 1985 als Dritter. 35:38-Minuten betrug damals der Rückstand auf Sieger Scott Tinley (USA). 4:01-Minuten lag nun Schildknecht hinter dem Australier Craig Alexander zurück. Gering ist dieser Abstand aber auch im Vergleich zu jenem des letzten Schweizers, der auf Hawaii für dieselbe Toprangierung gesorgt hatte: Christoph Mauch. Das ehemalige Mitglied des «ewz power team» verlor 1998 13:44-Minuten auf Sieger Peter Reid (Ka) und 1999 waren es 9:49-Minuten auf Luc van Lierde (Be).
 
Taktisch hervorragend
 
Zum ersten Podestplatz seit 23 Jahren fehlte Schildknecht so wenig wie nie mehr seither: 23 Sekunden waren es im Ziel in Kailua Kona auf Rutger Beke (Be). Ein Pappenstil. Schildknecht selber sah dies aber aus anderem Blickwinkel. «Ich wüsste nicht, wo ich diese Zeit noch hätte gutmachen können», sagte er. Schulter an Schulter war er kilometerweit gelaufen mit Beke. Doch «plötzlich war dieser weggezogen». Schildknecht glückte es zwar, in engem (Blick-)Kontakt zu bleiben. Näher an ihn heran kam er aber nicht mehr. «So am Anschlag bewegte ich mich noch nie», bekundete er hinterher.
 
Taktisch klug eingestellt war er ins Rennen gestiegen. Im Schwimmen hielt er sich zurück. Entspannt sei er unterwegs gewesen, sagte er hinterher. Zwar verlor er so etwas mehr Zeit auf die Spitze. Die eingesparte Kraft aber, konnte er im weiteren Rennverlauf nutzen. «Ich stieg mit frischeren Beinen aufs Velo», beschrieb er etwa. Um eine Krise auf den 180 windigen Kilometern durch die Lavawüste kam er aber nicht. «Nach 120 km geriet ich in ein extremes Tief», beschrieb er. Nur noch auf der «kleinen Scheibe», sei er gefahren. Doch er erholte sich wieder. Nach dem Wechsel in die Laufschuhe lag er an 13. Position – «ideal», wie er fühlte.
 
An den Cracks vorbei
 
«Mal schauen, wie’s weiter geht», sagte er sich. Schnell kam er ins Staunen. Es zeigte sich, dass er schneller unterwegs war, als etliche namhafte Spezialisten, etwa Faris al Sultan, der Sieger von 2005 oder Normann Stadler, Triumphator 2004 und 2006. «Als ich diese Cracks überholte, musste ich vorerst einmal leer schlucken», beschrieb er. Unter die ersten zehn lief er vor. Und die Aufholjagd ging weiter. «Als ich mich in den Top five befand, fühlte ich mich wie in einem Traum», beschrieb er. Auf Position vier stiess er vor. Zu Platz drei reichte die Kraft nicht mehr. Er nahm’s  gelassen. «Realistisch war eine Platzierung in den besten zehn, und für diesen vierten Rang hatte ich zu kämpfen wie noch nie.»
 
Ähnlich erfolgreich abgeschnitten auf Hawaii hatte Ronnie Schildknecht auf Hawaii nicht annähernd. Vielmehr vermochte er bei den klimatisch anspruchsvollen Bedingungen noch nie richtig zu überzeugen. Rang 15 aus dem Jahr 2006 war sein bestes Ergebnis gewesen. Gelernt hat er aber primär aus dem Rennen des letzten Jahres. Nach einer ähnlich erfolgreichen Saison trat er zum Finale ausgelaugt an. Die Aufgabe war eine logische Folge. Ähnliches vermochte er nun zu vermeiden. Er trat erholt und in Bestform an. Statt in Asien bereitete er sich (wie 2006) in San Diego (Kalifornien) vor. Statt auf ein weiteres Rennen (Halfironman Singapur) setzte er nun auf Training. Mit Teamkollege Stefan Riesen hatte er den fordernden und ähnlich tickenden Partner dabei. Ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung lieferte Schildknechts Masseurin, die während der ganzen Vorbereitungsphase mitgereist war.  
 
Riesen im Pech
 
Zusammen mit Ronnie Schildknecht sorgte Mathias Hecht (8.) zu zwei Schweizer Top-ten-Klassierungen. Dies gab es in der bisherigen Hawaii-Geschichte erst ein Mal: 1999 mit Christoph Mauch (4.) und Olivier Bernhard (5.). Hecht, bis Ende letzten Jahres ebenfalls im «ewz power team», kam ebenfalls zu seinem wertvollsten Ergebnis.
 
Kein Wettkampfglück hatte hingegen Stefan Riesen. Nach ansprechendem Beginn fühlte der Routinier auf dem Velo rasch, dass «etwas nicht stimmte». Erbrechen musste er, innert 20 Minuten vier Mal die Toilette aufsuchen. Die Magenkrämpfe verschwanden nicht. Die Aufgabe war die logische Konsequenz. Doch Riesen rätselte: «Ich nahm dieselbe Nahrung zu mir wie Ronnie.» So bitter dieser Ausgang für ihn ist, ob Schildknechts Top-Ergebnis fand auch er Gefallen: «Ich freue mich für Ronnie, dieses Resultat macht meinen Frust etwas kleiner.»    
 
Kailua Kona, Ironman Hawaii (3,8/180/42,2 km), Männer:
1. Craig Alexander (Aus) 8:17:45
2. Eneko Llanos (Sp) 8:20:50
3. Rutger Beke (Be) 8:21:23
4. Ronnie Schildknecht «ewz power team» 8:21:46
5. Cameron Brwon (Nzl) 8:26:17
6. Patrick Verney (Neuk) 8:30:23
7. Andy Potts (USA) 8:33:50 
8. Mathias Hecht (Sz) 8:34:02
Aufgegeben (u.a.): Stefan Riesen «ewz power team» im Laufen, Chris McCormack (Aus/Titelverteidiger) mit defektem Schalthebel, Thomas Hellriegel (De), Luc van Lierde (Be), Luke Bell (Aus), Stephan Vuckovic (De) . 
 
 
 
 
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