“Ständig wachte ich auf und war durstig”.

«Ständig wachte ich auf und war durstig»
 
Am Tag nach dem brillanten Sieg am Ironman Switzerland in Zürich blickte Ronnie Schildknecht auf den Wettkampf zurück und beschrieb die Stunden danach.
 
Ronnie Schildknecht, ein Ironman-Finisher erzählte nach den 3,8 km Schwimmen, 180 km Velofahren und 42,2 km Laufen, wie er sich nun Hamburger, Pommes Frites und viel Glacé gönnen werde. Wie haben Sie gefeiert? Bekundeten auch Sie Lust, nach dem, was in der Vorbereitung untersagt war?
 
Ronnie Schildknecht: (Lacht) Da geht es doch allen irgendwie ähnlich. Wir zogen in den «Schlossgarten» in Kilchberg, mein Stammrestaurant. Wir, das sind 12 bis 15 Personen: die Eltern, die Freundin, Freunde und Kollegen. Auch die Triathleten Ruedi Wild und Marcus Smallbone waren dabei. Ich hatte Lust nach einer Pizza Margherita, dazu gab’s zwei Gläschen Rotwein und einen Prosecco. Lange fühlte ich mich hervorragend. Zwischen 22 und 23 Uhr wurde ich müde und ging zu Bett.
 
Und Sie schliefen wie im Winterschlaf?
 
Nicht wirklich, nein. Der Schlaf war nicht tief. Ständig wachte ich auf, war durstig. Immer wieder erhob ich mich, um ein Glas Wasser zu trinken.  
 
Die körperlichen Beschwerden sollen sich erst am Folgetag in voller Kraft entfalten. Wie geht es Ihnen?
 
Der Tag danach ist hart, das ist bei mir nicht anders. Wenn’s toll gelaufen ist, tragen dich nach dem Rennen die Endorphine, die Glückshormone. Doch irgendwann haben auch diese ihren Dienst abgeschlossen. Die Müdigkeit kommt. Jedes Mal, wenn ich gestern in den Spiegel schaute, blickte ich in glasige Augen. Gefühlsmässig hätte ich am liebsten geschlafen. Die Müdigkeit war geistiger und körperlicher Natur.  
 
Auch Sie besuchten den legendären Brunch am Morgen danach im Albisgüetli mit der Siegerehrung und der Vergabe der Hawaii-Startplätze. Ist das eher Müssen oder Wollen?
 
Das sind nochmals eindrückliche Augenblicke. Ich traf Kollegen, welche die Prüfung ebenfalls bestanden hatten. Mit Stefan Riesen, dem Teamkollegen von «ewz power team und zweiten des Rennens, trank ich ein alkoholfreies Bier. Wir diskutierten und blickten vorwärts auf den Ironman Hawaii.
 
Als Profi konnten Sie sich hinterher nach Ihren Bedürfnissen erholen…
 
…. nicht ganz. Gestern Abend hatte ich eine Prüfung in Englisch für meinen Bachelor für Kommunikation abzulegen, hatte also nochmals hinter die Bücher zu sitzen. Das forderte mich zwar hart. Aber ich will mich nicht beschweren. All jenen, die am Folgetag bereits wieder bei der Arbeit zu erscheinen haben, ist es ähnlich ergangen. Im Gegensatz zu ihnen hatte ich das eine oder andere Interview zu geben.
 
Wie vergleichen Sie diesen Sieg mit jenem des Vorjahres?
 
Solche Vergleiche sind immer schwierig. Tatsache ist, dass der diesjährige Sieg extrem schön war. Ich erwischte jenen Supertag, den man sich insgeheim erwünscht. Ein tolles Gefühl begleitete mich von Beginn an. Und als es auf der zweiten Streckenhälfte des Marathons hart wurde, verfügte ich über einen beruhigenden Vorsprung. Da konnte ich mich tragen lassen vom Publikum, durch die Stimmung vom Strassenrand. Da liess sich geniessen. Ich saugte die Atmosphäre auf, entspannte mich, konnte lachen. Und ich konnte auf Anfeuerungsrufe von andern Athleten auf der Strecke reagieren. Dieses Beschäftigtsein war cool. Und die Siegerzeit (Anm. d. Red.: 8:16:05 Stunden) hat mich gefreut. Sie ist stark, besonders bei diesen Bedingungen.
 
Haben Sie einen Schluss gezogen aus diesem Rennen?
 
Ich wagte einen erfolgreichen Versuch. Am Wettkampfmorgen um 5.30 Uhr liess ich mich von den Leuten meines neuen Sponsors Medisport mobilisieren, sprich die Energiebahnen frei massieren. Dies behagte mir. Ich startete mit einem einzigartigen Körpergefühl.  
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