Jan van Berkel in Mexiko.

«Ich gehe meinen Weg und tue das, was ich für richtig halte», sagt der 22-Jährige selbstbewusst. Es ist ein erstaunlicher Weg, den Jan van Berkel eingeschlagen hat. Während sämtliche Schweizer Top-Triathleten, angefangen bei Sven Riederer, Reto Hug, Nicola Spirig oder Magali Di Marco, derzeit in Davos vom Höheneffekt profitieren, weilt van Berkel in Toluca. Statt auf 1500 m Höhenmetern liegt die Bezirkshauptstadt auf 2500 m, statt im Bündnerland in Mexiko. Statt Kälte und Schnee, prägt Wärme und Sonne. Und entgegen seinen Disziplinen-Kolleginnen und -Kollegen, die zwischen sieben und 14 Tagen im Reizklima verbringen, tut er dies für fast drei Wochen. 
Und van Berkel trainiert «extrem hart», wie er festhält. Noch nie sei er derart viel Velo gefahren. Tage, an denen er sieben Stunden auf dem Sattel verbringt, sind keine Seltenheit. «Es geht darum, eine äusserst solide Basis zu erarbeiten», umschreibt er den Grund für diese Schinderei. Trainieren, essen und schlafen, dominieren seinen Rhythmus. Allein unterwirft sich das Mitglied des «ewz power team» und im Verband im Highpotential-Team gefördert nicht in Mexiko. Van Berkel ist mit seinem Velo-Trainer Heiko Salzwedel unterwegs. Und weil dieser ebenso die dänischen Bahnfahrer trainiert, welche sich für das nächste Weltcup-Rennen in Los Angeles und mit Weitblick auf die Olympischen Spiele in Peking vorbereiten, sind auch diese Spezialisten mit von der Partie. Van Berkel schätzt die Gruppe: «Es ist ein Glück, in diesem Umfeld zu arbeiten, ich kann extrem profitieren.»
 
Profitieren von den Spezialisten
 
Ein gewisses Wagnis bestreitet Jan van Berkel nicht. «Ich habe grössten Respekt», sagt er. Mit Velofahrern unterwegs zu sein sei nicht dasselbe wie mit Triathleten. Da lassen sich andere Akzente setzen, ist Konzentration möglich. Doch van Berkel will auch das Schwimmen und Laufen nicht vernachlässigen will. Die Gefahr von Übertraining gilt es zu vermeiden. Er erachtet es als bedeutend, aufmerksam in sich hineinzuhören und sich vor allem immer wieder bestmöglich zu erholen. «Ich hoffe, auf mein Gefühl sei Verlass», sagt er. Bis jetzt fühlt er sich bestens.
 
Die Idee dieses Weges entwickelte sich Ende der vergangenen Saison im Gespräch mit seinen Trainern. Dank einer breiteren Basis auf dem Velo, «einem soliden Fundament», wie er sagt,  erhofft sich van Berkel weniger Kraftverschleiss in der zweiten Disziplin und folglich grössere Reserven fürs Laufen. Zu sehen ist diese Überlegung vor dem Hintergrund, dass van Berkel bereits vor 15 Monaten einen ungewöhnlichen Schritt tat. Er wechselte seine Bezugspersonen, verliess seinen langjährigen Trainer Francois Rey und vertraute auf drei Spezialisten: auf Salzwedel fürs Velo-, Marco  Schifferle fürs Schwimmen und Ruedi Meier fürs Laufen. Meier, dem ausgewiesenen Spezialisten und Trainer des LC Regensdorf, obliegt auch die Gesamtverantwortung. «Auch dieser Entscheid war mit Risiko verbunden. Es waren viele Änderungen auf einmal und ich wusste nicht, wie sich diese niederschlagen», sagt van Berkel. Mittlerweile weiss er mehr: «Die Umstellung hat sich bewährt, und jetzt hat sich alles gefestigt.»
 
Ohne Begleiterscheinungen liess sich dieser Weg indes nicht vollziehen. Nicht überall stösst er auf Verständnis. Das stört ihn indes nicht. «Ich verweise auf prominente Beispiele in meiner Sportart», sagt er und nennt Natascha Badmann und Olivier Bernhard. Beide sind oder waren bekannt für ihre unkonventionellen Wege. Zu sehen ist van Berkels Investition längerfristig. Er verdeutlicht: «Gute Resultate sind mein Ziel, bereits in der kommenden Saison, vor allem aber in den nächsten Jahren.» 2012, die Olympischen Spiele in London, nennt er als Fernziel. Und resolut hält er fest: «Ich ziehe meinen Weg durch, konsequent, ohne Kompromisse.»
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