Roger Fischlin – Gigathlonsieger 2006.

Als dann blieb er stehen, hob die Mütze und verneigte sich. Er saugte die Begeisterung auf, die ihm entgegengebracht wurde. Die 329,5 km mit den 4470 Höhenmeter, die er in 15:48:08-Stunden hinter sich gebracht hatte in den Disziplinen Radfahren, Biken, Schwimmen, Inlinen und Laufen, schienen kaum Spuren hinterlassen zu haben. «Dieses Gefühl hier ist wunderbar», strahlte der 30-Jährige. Und um seiner Aussage zusätzliches Gewicht zu verleihen, fügte er an: «Etwas Vergleichbares erlebte ich in all meinen Jahren Spitzensport nie.»
 
Du warst als Triathlet Schweizer Junioren-Meister und dreifacher Team-Europameister. Weshalb ist ein Gigathlon-Sieg schöner als ein Europameister-Titel?
Roger Fischlin: Zu meiner Zeit als Triathlet hatten die Europameistertitel für mich einen sehr hohen Stellenwert. Im Vergleich mit dem Gigathlon wurden dieser aber mit der Mannschaft erreicht, wo ich einen entscheidenden Anteil bis nach dem Radfahren beisteuern konnte. Das Gigathlonresultat konnte ich im Gegensatz dazu alleine und aus eigener Kraft erreichen.
  
Du bist mit 24 Jahren aus dem Spitzensport zurückgetreten, weshalb?
Roger Fischlin: Ich durfte schöne und erlebnisreiche Jahre erleben im Triathlon. Der Zeitpunkt einer beruflichen Neuorientierung war zu diesem Zeitpunkt aber sehr günstig und deshalb habe ich diese Chance gepackt.
  
Was war ausschlaggebend, dass Du den Gigathlon 2006 gewonnen hast?
Roger Fischlin: Das müsstest Du meine Konkurrenten Fragen (lacht)! Ich war gut vorbereitete, im Kopf bereit für diese Herausforderung, und dann hatte ich auch das nötige Wettkampfglück!
  
Worin unterscheidet sich die Vorbereitung auf einen 24-Stunden-Gigathlon zu einem 7-Tage-Gigathlon?
Roger Fischlin: Sportlich unterscheidet er sich für mich nicht wesentlich. Aufgrund meines 100% Arbeitspensums habe ich mit meinen Trainingsumfängen das Maximum erreicht. Logistisch, ernährungstechnisch, materialmässig und organisatorisch spielt der 7-Day Gigathlon aber in einer anderen Liga!
  
Was kannst Du aus der Erfahrung des 24-Stunden-Gigathlons mitnehmen?
Roger Fischlin: Dass eine Krise nicht gleich das Ende bedeutet! Ich hatte beim 24-Stunden-Gigathlon nach dem Schwimmen einen riesigen Hungerast, so dass ich mich kaum mehr auf den Beinen halten konnte! Die Erfahrung, dass es trotzdem weiter geht, stärkt mich!
 
Welches ist Deine stärkste Disziplin?
Roger Fischlin: Ich weiss nicht, ob ich da von einer stärksten Disziplin sprechen kann. Meine Stärke ist, dass ich nirgends eine grosse Schwäche habe. Müsste ich aber eine Disziplin benennen, wäre es das Schwimmen.
  
Wie überwindest Du Krisen während dem Rennen?
Roger Fischlin: Das wird sich zeigen… Einerseits durch Selbstmotivation, andererseits auch, in dem ich versuche Ruhe zu bewahren, mich durch die Krisen nicht zu belasten, die Umgebung zu geniessen, Energie in Form von Sportnahrung nachzuschieben und dann wieder Vollgas zu geben!
  
Legst Du Dir eine Rennstrategie zurecht, oder lässt es einfach auf Dich zukommen?
Roger Fischlin: Das ist sehr schwierig. Die Erfahrung für eine solche Herausforderung fehlt mir und deshalb ist es kaum möglich, eine geeignete Strategie zu bestimmen. Sicher mache ich mir meine Gedanken zum Wettkampf und versuche dort, wo ich Stärken habe, diese auch auszuspielen.
  
Wie wichtig ist Dein Betreuungsteam und wie seid Ihr organisiert?
Roger Fischlin: Mein Betreuerteam ist für mich nicht nur wichtig, sondern sehr wichtig! Ohne ein eingespieltes und kompetentes Betreuerteam ist es als Athlet nicht möglich, Spitzenleistungen am Gigathlon zu erbringen. Neben vier persönlichen Betreuern teile ich einen Velo-Mechaniker und eine Physiotherapeutin mit meinem Freund und Konkurrent Dominik Spycher.
  
Wie viel trainierst Du vor dem Gigathlon 2007?
Roger Fischlin: Das ist sehr unterschiedlich. Mit vier Trainingslagern à zirka zwei Wochen versuche ich die nötigen Umfänge und Kilometer in die Beine zu bekommen. Zu Hause ist es aufgrund der wechselnden Arbeitsbelastung schwierig, regelmässig zu trainieren. Da wechseln sich lange Trainingstage mit mehreren trainingsfreien Tagen ab. Grundsätzlich sind es in den Trainingslagern schon mal 50 und mehr Stunden die Woche, zu Hause versuche ich, regelmässig auf 10 – 15 Trainingsstunden zu kommen.
  
Welche Chancen rechnest Du Dir aus, den Gigathlon 2007 zu gewinnen?
Roger Fischlin: Diese Rechnung mache ich mir nicht! Mein vordergründiges Ziel ist es, diese Woche zu überstehen, das Ambiente bestmöglichst zu geniessen und als Finisher in Bern einzulaufen. Sollte dabei am Ende eine Spitzenrangierung herauskommen, ist diese das berühmte „Tüpflein auf dem i„!
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