“Du kannst nie auf einem hohen Niveau rennen”.
20. Mai 2007
Martina van Berkel (18), Nachwuchshoffnung des ewz power team, sieht sich durch Kniebeschwerden zum Umdenken gezwungen.
Zwei Meistertitel gewann Martina van Berkel an den Schwimm-Meisterschaften in Oerlikon. Tolle Erfolge, zumal sie überraschend kamen. Doch ablenken von den eigentlichen Problemen können sie die talentierte Sportlerin nur zum Teil. Sie sagt: «Meine Existenz als Sportlerin ist in den vergangenen Monaten in Frage gestellt worden.»
Es sei zurückgeblendet. Letzten November hatte sich die Maturandin mit 23 Schweizer Einzelmedaillen auf Elitestufe (7 Gold, 5 Silber, 11 Bronze) als Spitzenschwimmerin verabschiedet. Zwar national etabliert, fehlte die Aussicht auf internationale Meriten. Zu weit weg von den geforderten Limiten sah sie sich. Ein Spartenwechsel zum Triathlon bot sich an – zumal sie in der Multisportart ohne spezifisches Training zur nationalen Spitze gehörte.
Auch als Triathletin schwamm sie konzentriert weiter. Weitere Steigerungen glückten. Ende Januar legte sie die 200 m Delphin in 2:15,93 zurück. Schnell war sie somit, wie nie zuvor. Es ist dies die drittbeste Zeit, die je realisiert wurde von einer Schweizerin. Auf den Boden der Realität zurückgeworfen wurde sie nicht deswegen. Zu schaffen machten schon damals Kniebeschwerden. Diagnostiziert wurden asymmetrische Kniescheiben. Ratschläge holte sie bei verschiedenen Spezialisten ein, bei Ärzten und Physiotherapeuten. «Du kannst nie auf einem hohen Niveau rennen», wurde ihr beschieden. Erklärt wurde ihr zudem, dass durchs jahrelange Schwimmen die Bänder weniger Halt geben. Eine Operation war die eine Option. Die Aussicht auf dauernden Erfolg konnte ihr aber nicht gegeben werden.
Viel geweint habe sie, blickt Martina van Berkel auf die happige Zeit zurück. Sie konnte sich kaum bewegen: weder laufen, noch Velo fahren, und beim Schwimmen galt es, sich ohne Beinschlag vorwärts zu bewegen. «Physiotherapie und Besuche beim Chiropraktiker statt Sport» war abgesagt», sagt sie. Fortschritte stellten sich ein. Zuerst konnte sie wieder normal schwimmen, dann Velo fahren und seit drei Wochen wieder vorsichtig laufen. Sie spricht von «Fitnesstraining».
Die Schwimm-Meisterschaften boten sich als Ablenkung an. «Wirklich fit trat ich nicht an. Für mich stand aber der Spass im Vordergrund», sagt sie. Sie schätzte die Möglichkeit, sich wieder im Sport zu messen und «unter die Leute zu kommen». Erwartungen hegte sie wenig. Und trotzdem überzeugte sie. Trotzdem gewann sie zwei Mal Gold. Über 200 m Delphin schwamm sie mit 2:19,32-Minuten neue persönliche Bestzeit und liess zum ersten Mal überhaupt die im Tessin schwimmende Russin Maria Ugolkova hinter sich. Über 200 m Rücken spielte sie ihre alte Stärke aus. Das eröffnet neue Perspektiven. Die Limiten für die Universiade in Bankok in ihrer herkömmlichen Sportart lockt plötzlich. Aber Martina van Berkel sieht auch: «Mein Problem lösen, lässt sich auf diese Weise nicht.» Mit intensiver Physiotherapie versucht sie es zumindest in Griff zu bekommen.